Respekt gGmhbH

Die Wohngemeinschaft, in der eine Intensivbetreuung gegeben ist, wird durch 2 Pädagogen betreut.

Die ersten 6 Wochen nach der Aufnahme dienen als Probezeit, in der das Zusammenleben aller Gruppenmitglieder erprobt wird. Die neuen Mitbewohner können sich an die Gruppenregeln und den Tagesablauf der Gruppe gewöhnen. Es kann ausprobiert werden, ob ein angenehmes, förderndes Zusammenleben in der Konstellation möglich ist. Es geht in dieser Zeit auch um einen guten Beginn der Zusammenarbeit des Jugendlichen mit den Betreuern und den Mitbewohnern. In dieser Zeit haben die Pädagogen die Möglichkeit, den neuen Jugendlichen genauer zu diagnostizieren und können gegebenenfalls den Hilfeplan ergänzen und den Bedarf an externen Angeboten wie Therapien oder auch andere unterstützende Hilfsangebote formulieren. Es zeigt sich der tatsächliche Bedarf und es kann fest gelegt werden, ob eine Unterbringung nach §35a oder §41 SGB VIII indiziert ist, oder ob evtl. weitere Fachdiagnostiken eingeholt werden müssen. Die Wohngruppe der Respekt gGmbH arbeitet hauptsächlich nach §34 SGB VIII. Andere Unterbringungsindizes sind demnach im Einzelfall zu regeln.
In dieser Zeit besteht also die Möglichkeit, tiefer in die Lebenssituation des Jugendlichen einzudringen und damit eine optimale Justierung der Hilfsangebote anzustreben.
Nach Ablauf der Probezeit wird ein Gespräch mit den Hilfeplanteilnehmern durchgeführt, in dem es um die Auswertung der Probezeit geht. In diesem Gespräch können Ziele und Angebote nachbearbeitet werden, oder es kann auch um die Beendigung der Unterbringung aufgrund von Willensäußerung eines Beteiligten, oder aufgrund von groben Regelverstößen oder Verweigerung gehen. In diesem Fall wird der Mitarbeiter des Jugendamtes tätig und unternimmt die nötigen Schritte zur weiteren Unterbringung bei anderen Trägern oder eruiert andere Hilfsformen.

In der Wohngruppe geht es um die grundlegende Vermittlung von Normen und Werten z.B. Ordnung, Sauberkeit, Anstand und Pünktlichkeit in einem festen Tagesablauf, erste lebenspraktische Aufgaben, wie Zimmer aufräumen, Müll herausbringen, Wäsche waschen, den Tisch decken oder erste Erfahrungen mit dem Kochen, sowie gezielte Heranführung an schulische und berufliche Pflichten und Förderung bei Defiziten.
Als zweiten wesentlichen Punkt der Unterbringung ist die individuelle Arbeit zu sehen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei in der empathischen Fähigkeit des Betreuers, den Mittelweg zwischen pädagogischen Zielen und gesellschaftlichen Erwartungen zu finden und immer wieder neu zu bestimmen. Neben der Funktionalität darf in diesem Punkt die Individualität nicht zu kurz kommen, da sonst eine zur heilenden Arbeit notwendige Vertrauensbeziehung nur schwer aufgebaut werden kann und der zur individuellen, charakterlichen Arbeit notwendige Freiraum nicht gegeben ist.
Ein therapeutisches Angebot liegt allein in den individuellen Bedürfnissen des Hilfesuchenden. So arbeiten wir eng mit verschiedensten Therapeuten zusammen und bieten verschiedenste Therapieangebote wie Logopädie, Ergotherapie, therapeutisches Reiten oder Schwimmen, Therapiearbeit mit Hunden oder Psychotherapien extern an. Diese Kooperation wird mit den individuellen Bedürfnissen der Jugendlichen ausgebaut und beginnt mit der üblichen Abfolge der Gesundheitsorganisation. Mit zunehmendem Bedarf ist eine vertragliche Zusammenarbeit bis hin zur personellen Verstärkung des Teams mit einem Therapeuten möglich.
Die gruppenimmanente Arbeit leisten wir durch Gruppengespräche, gemeinsame Aktivitäten, gemeinsames füreinander Sorgen und miteinander Leben und fundierten Gesprächs- und Erfahrungsangeboten.
Diese Arbeit wird durch gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aller Gruppenmitglieder erbracht. In diesem Kontext können die oftmals vermisste Wärme und Nähe nachgeholt werden und Fehltritte gemeinsam bearbeitet und überstanden werden, sowie die notwendige Verständnisbasis aufgebaut werden, die für individuelle Bedürfnisbefriedigung existentiell wichtig ist.

Zu diesen pädagogischen Angeboten bieten wir rein der Erholung und Bildung dienende weitere Maßnahmen an. So wird eine gemeinsame Sommerreise, sowie Wochenendausflüge unternommen und begleitete Freizeitgestaltung angeboten. Das Angebot erstreckt sich da vom Besuch verschiedener Fachmessen, ausgehend vom allgemeinen Interesse der Bewohner, musikalische Weiterbildung in Form eines Instrumentalunterrichtes, verschiedenste sportliche Aktivitäten und andere Angebote, die den persönlichen Fähigkeiten des jeweiligen Betreuers entsprechen und maßgeblich als Medium zur Kontaktaufnahme, Vertrauensbildung und Wissensvermittlung dienen.
In der Wohngruppe haben wir 4 Vollzeitplätze in 2 Einzelzimmern und 1 Doppelzimmer. Es gibt eine gemeinsame Küche und ein gemeinsames Wohnzimmer. Jedes Zimmer ist mit einem Fernsehgerät und dem notwendigem Mobiliar ausgestattet, kann individuell weiter eingerichtet und dekoriert werden. Diese Zimmer sind als Rückzugsraum gedacht und unterliegen weitgehend der Privatsphäre.

Das gemeinsame Einnehmen der Mahlzeiten wird als essentieller Bestandteil der Gruppenarbeit begriffen und ist demnach als ein Tageshöhepunkt anzusehen. In dieser Runde werden zwanglos die aktuellen Dinge besprochen und bearbeitet, die jeden einzelnen bewegen.

Grundsätzlich bauen wir aufgrund unserer Erfahrungswerte in der Wohngemeinschaft auf freiwillige Mitarbeit der Jugendlichen, der Mitwirkungspflicht folgend. Wir folgen dem Grundsatz: Eher fordern und fördern, als sanktionieren. Durch Aufbau von bestimmten Gruppendynamiken wird eine Atmosphäre erzeugt, in der die Jugendlichen den pädagogischen Angeboten gern folgen. Bei individuellen Prämissen können Ausnahmen geregelt werden.
Bei Übertritten oder Verweigerung bedienen wir uns dem Katalog von Werkzeugen wie Loben, Überzeugen, Diskutieren, Festlegen, Vorgeben, Einschränken und Entziehen.
Allgemein gilt aber für uns der Grundsatz, dass ein Mensch sinnvoll angeleitet beschäftigt, einen zeitlichen Freiraum zur Verarbeitung benötigt. Deshalb die Ausstattung der Privatsphäre mit Fernsehgeräten zur egoistischen Zeiteinteilung ohne Kompromißproblematik.